Aleppo und Marseille

Im 7. Jahrhundert wurden in Palästina und im Irak erstmals Olivenöl oder Talg und Laugen miteinander verkocht und somit Seife in ihrer heute bekannten Form hergestellt.

In diese Zeit fallen auch die Anfänge der Aleppo-Seife. Die Rezepturen wurden weiterentwickelt und die besondere Herstellungsweise entwickelt.
Pflanzliche Öle, wie Oliven- und Lorbeeröl wurden verkocht und mit gemischt. So entstanden die ersten festen Seifen, zur Körperpflege und -reinigung. Bevor die Seifen auf dem Markt verkauft werden, lagerten sie mindestens 6 Monate.

Diese neuen Produkte verbreiteten sich vom Nahen Osten aus zunächst nach Europa. Nach und nach erreichte das Wissen der arabischen Seifensieder den westlichen Mittelmeerraum. Zunächst gelangte es im 8. Jahrhundert wohl nach Italien. Im 9. Jahrhundert wurde das Wissen über Seife dann auch in Frankreich und besonders in Marseille populär. Das spricht für die Theorie, dass die Aleppo-Seife der Vorläufer der Savon de Marseille, der Seifen aus Marseille, ist.

Ludwig XIV. holte im 17. Jahrhundert die besten Seifensieder nach Versailles. Doch auch außerhalb der Palastmauern stieg Nachfrage nach guten Produkten. Aus der zunächst rein kunsthandwerklichen Fertigung entwickelte sich ein eigener Industriezweig und Marseille entwickelte sich neben anderen europäischen Städten zu einer führenden Seifenmetropole.

Mit dem im Jahr 1688 erlassenen Edikt von Colbert wurde die Herstellung der Marseiller Seifen klar geregelt. Es ist eine Art „Reinheitsgebot“, in dem der Kochprozess in Heizkesseln sowie ein reiner Öl-Anteil von mindestens 72 % festgelegt wurden. Ebenso wurde die Verwendung tierischer Öle verboten. Dieses Reinheitsgebot gilt bis heute für die originalen Marseiller Seifen.

Zu Beginn des 18. Jahrhundert zählte Marseille 30 Seifenfabriken, in der zweiten Hälfte verdoppelte sich diese Zahl. Doch die Nachfrage ging langsam zurück. Zwischen den beiden Weltkriegen profitierten die Seifenfabriken noch einmal vom Fortschritt der Mechanisierung, doch nach dem 2. Weltkrieg, ab etwa 1950 ging es mit den Fabriken endgültig bergab.

Synthetische Reinigungsmittel und die immer populärer werdende Waschmaschine drängten in die Haushalte. So wurde die gute alte Seife überflüssig.

Seifen wurden wieder in kleineren Manufakturen außerhalb von Marseille bis hinein in die Provence hergestellt oder ganz aus dem Ausland importiert.

Doch seit den 1980er-Jahren lässt sich eine langsame, aber stetige Rückbesinnung auf ökologische Produkte feststellen. Und auch die Savon de Marseille wird vermehrt angefragt.

Bis heute nimmt diese Entwicklung immer weiter zu. Problematisch ist jedoch das fehlende Gütesiegel der Marseille-Seife. Die Bezeichnung ist nach wie vor nicht geschützt und so sind Seifen mit der Bezeichnung „Marseille-Seife“ in rund 95 % aller Fälle minderwertige Fälschungen.

JM EcoSavonDie Geschichte der Seife